Xing-Motto

Xing (chinesisch) steht für „gehen“, „sich bewegen“ und bezeichnet etwas, das sich im Wandel befindet: Xing beschreibt ein Durchgangsstadium.

Diese Seite war eine der frühesten in diesem Weblog, veröffentlicht am 19. Dezember 2009. Sie begann so:

Crossing: Menschen mit verschiedenem sozio-kulturellem Hintergrund begegnen einander. Migranten machen Einheimischen das Gewohnte fremd. Sprachen und Lebensstile mischen sich. Verschneidungen zwischen den Genres, Artefakte in neuem Kontext, Vexierbilder zwischen Drinnen und Draußen: Nichts bleibt, wie es war. Das Fremde wird normal. Wir müssen, nach einem Wort Hans Hunfelds, für die Normalität des Fremden sorgen: Die Aufgabe des 21. Jahrhunderts, Fremdheit als Lernimpuls zu verstehen.“

In den gut zehn Jahren seit der Veröffentlichung ist der skeptische Humanismus, der aus diesen Zeilen spricht, vielfach auf die Probe gestellt worden. Das Fremde will nicht normal werden. Nichts mischt sich außerhalb einer dünnen Schicht von Mächtigen und Reichen. Menschliche Begegnungen sind anstrengender, im Gefolge von Covid-19 schon fast irrational geworden, wenn sie überhaupt noch stattfinden: social distance lautet die Maxime. Stattdessen schwillt in den Echokammern der sozialen Medien der sich autochthon gebende Bocksgesang, dröhnt das Gestampfe des zugleich bornierten und transnationalen Schamanentanzes. Und weiterhin gilt, angesichts von Pandemie und Klimakatastrophe, dass nichts bleiben wird, wie es einmal war.

Daneben wurde am selben Tag, ebenfalls am 19. Dezember 2009, eine „Motto“-Seite veröffentlicht. Sie begann so: „Es hört doch jeder nur, was er versteht. (Goethe, Maximen und Reflexionen.)“ Mit einer euphorischen Anspielung auf den Namen „IntercityWanderjahre“ und die Kommunikationsmöglichkeiten des Internets hieß es weiter: „Im Salonwagen tauschen sich die Reisenden über ihre Missverständnisse aus. Steigen ein, steigen aus. Zufallsbekanntschaften.“ Das wurde von Péter Litván, dem sich der Name dieses Blogs verdankt, schon damals sehr skeptisch kommentiert (Kopie von der ursprünglichen Motto-Seite):

„Ich fühle mich beruhigt und besänftigt. Ich habe das Gefühl, dass jetzt niemand mehr ein Wort von mir lesen wird.
Und doch: Ich hoffe, dass dem nicht so ist.
Im Moment habe ich überhaupt keine Inspiration. Das ist ein ganz anderes Genre. Und doch ist dieser Umstieg das Richtige gewesen. Ja, ein Salonwagen, da war ich noch nie. Hier hat man Zeit. Ich werde über die Dinge nachdenken können. Das hier ist nämlich eine sehr geduldige Anstalt.
Aber wie sieht es mit dem Zusammenwirken aus?
Man könnte hier längere Texte publizieren, als Artikel, und mal sehen, was daraus wird.
Ja, Mädels und Jungs, eine Publikationsmöglichkeit (hoffentlich nicht nur auf comment-Ebene) – auch mit dem Intercity-Magazin im Visier. Legen wir mal los!
Péter“

Es war Péter Litváns Idee, den Ungarischen Staatsbahnen (MÁV) ein literarisches Magazin anzubieten. Dieses hätte in den Abteilen und Großraumwagen der Intercity-Züge den Fahrgästen zum Lesen ausgehändigt werden sollen. Es sind auch zwei Probenummern erschienen. Diese entsprachen aber zuwenig den Vorstellungen von sogenannter Professionalität: Kein Hochglanzpapier, keine Business-Themen, kein Advertising mit High end-consumer benefits.

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