Patchwork

Patchwork //// Ungarn-Nachrichten im Januar 2011.  Ein geneigter Leser schickt mir – auf anderem Wege, er ist kein Blogger – folgende Zeilen:

„Was Ungarn vernäht,
will ich nicht versäumen.“

Danke, T.F., das Wortspiel hilft, dem Wettkampf zwischen Nähmaschine und Schreibmaschine aus einer dadaistischen Ecke zuzuschauen.

Eine leere Seite

Heute habe ich diesem meinem Weblog eine leere Seite hinzugefügt. Damit folge ich dem Beispiel einiger ungarischer Medien. Die Gestaltung folgt dem letzten Beispiel, das ich gesehen habe: „Ich habe überhaupt keine Lust, ein festliches Feuilleton für die Weihnachtsnummer zu schreiben.“ So beginnt der Essay von Lajos Parti Nagy in der Nummer 51-52 des Wochenmagazins “168 óra“ (168 Stunden) vom 22. Dezember 2010.  Wenn Parti Nagy Blattmacher oder Herausgeber wäre, würde er bis Anfang Januar sein Presse-Erzeugnis nur mit weißen Seiten erscheinen lassen, „als Zeichen dafür, dass ich als ungarischer Autor, als ungarischer Staatsbürger auf entschiedenste Weise gegen den absurden und groben (útszéli) Versuch protestiere, die ungarische Presse zu erniedrigen, gegen den krankhaften (hagymázos) Plan, die Pressefreiheit aufzuheben, gegen den Entwurf eines Gesetzes unter dem Decknamen ‚Über die Dienstleistungen der Medien und über die Kommunikation’“.

Diesem Protest schließe ich mich an – als  EU-Bürger aus Deutschland, der in Ungarn lebt und arbeitet und diese Möglichkeit bisher als sein persönliches Glück betrachtet hat.

Wer mein Weblog verfolgt, wird bemerkt haben, dass es hier bisher keine Kategorie „Politik“ gibt. Ich möchte „einfach“ über tiefere interkulturelle Erfahrungen schreiben, Grundströmungen erfassen, die unter glatten oder aufgewühlten Oberflächen nicht sofort sichtbar werden. Auf den zweiten Blick wird man sehen, dass sich zwischen dem 11. April (dem Tag des ersten Wahlgangs) und dem 28. November 2010 keine aktuellen Eintragungen finden.  Ich hatte eine regelrechte Schreibblockade – das Staunen darüber, dass „solche Dinge“  im heutigen Ungarn möglich sind, war eben kein philosophisches.

Es wird an dieser Stelle auch weiterhin nur wenige Kommentare zur Tagespolitik geben. Dazu fehlt mir die Zeit. Einen hervorragenden – und wie ich sehe – kritischen Überblick der Nachrichtenlage kann man sich bei dem Blogger Pusztaranger verschaffen, dem ich auf diesem Wege für seine aufwendige Arbeit danken möchte.

Ihm verdanke ich auch den Hinweis auf die Protestaktionen. Ich bitte die Leser, sich diesen anzuschließen:

European Blog Action against Censorship in Hungary

Egymillióan a magyar sajtószabadságért (Eine Million für die ungarische Pressefreiheit) bei Facebook

Free Press For Hungary (Internationale Version bei Facebook)