Crossculture

Handgranaten, getarnt als Zitronen

„Nehmen wir einmal an, ich sei ein amerikanischer Soldat im Zweiten Weltkrieg und von italienischen Truppen gefangen genommen worden. Und nehmen wir außerdem an, dass ich diese Truppen glauben machen möchte, ich sei ein deutscher Soldat, damit sie mich frei lassen. Ich würde ihnen also gerne auf deutsch oder italienisch sagen, dass ich ein deutscher Soldat bin. Aber nehmen wir einmal an, dass ich dafür nicht genügend Deutsch oder Italienisch kann. Also versuche ich ihnen vorzuspielen, ich würde ihnen sagen, dass ich ein deutscher Soldat sei, und zwar dadurch, dass ich ein bisschen Deutsch vortrage, das ich kenne, in der Hoffnung , dass sie nicht genügend Deutsch können, um meinen Plan zu durchschauen. Nehmen wir an, ich erinnere mich nur an eine Zeile eines deutschen Gedichts, das ich im Deutschunterricht auf der höheren Schule auswendig lernen musste. Also rede ich, ein gefangener Amerikaner, die Italiener, die mich gefangen genommen haben, mit den folgenden Worten an: ‚Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?‘“

(John R. Searle: Sprechakte. Ein sprachphilosophischer Essay. [Speech Acts. Cambridge University Press 1969] Frankfurt am Main [Suhrkamp] 1971, S. 70)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s