Zum neuen Jahr 2019 : Konfusionen, Transfusionen

Confusio – Die Verwirrung“ lautet der Titel eines Kupferstiches, der an der Wand unseres Wohnzimmers in Budapest hängt. „Babyolonia undique – Babylon ist überall“ steht über der hochmütigen Frauengestalt, die sich dem Turmbau nähert und dabei alle Finger ihrer rechten Hand abspreizt. Wenn Du mit dem Finger auf einen andern Menschen zeigst, denke daran, dass mindestens drei auf Dich zurückzeigen. Das sagte der unvergessene Bundespräsident Gustav Heinemann vor fünfzig Jahren, als in Europa die 68er auf die Straße gingen. Auch im vergangenen Jahr gab es Anlass genug, Sprachverwirrung zu beklagen. Lügen und Fake News wollen sich mit dem Kampf gegen eine angeblich herrschende PC („political correctness“) rechtfertigen; ein für seine Reportagen mehrfach ausgezeichneter Journalist wird als Meister der Fiktionen enttarnt. Am liebsten möchte man mit dem ganzen Quatsch und Gequatsche nichts mehr zu tun haben. Und wieder mahnt uns ein Bundespräsident, Walter Steinmeier, in seiner Weihnachtsansprache:

„Und mehr noch als der Lärm von manchen besorgt mich das Schweigen von vielen anderen. Immer mehr Menschen ziehen sich zurück unter ihresgleichen, zurück in die eigene Blase, wo alle immer einer Meinung sind – auch einer Meinung darüber, wer nicht dazugehört. Nur, so sehr wir uns über andere ärgern oder sie uns gleich ganz wegwünschen, eines gilt auch morgen noch: Wir alle gehören zu diesem Land – unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe, von Lebensanschauung oder Lieblingsmannschaft.

Das ist das Schöne und das Anstrengende an der Demokratie zugleich. Wir müssen wieder lernen, zu streiten, ohne Schaum vorm Mund, und lernen, unsere Unterschiede auszuhalten. Wer Streit hat, kann sich auch wieder zusammenraufen. Das kennen wir von Weihnachten mit der Familie. Aber wer gar nicht spricht und erst recht nicht zuhört, kommt Lösungen kein Stück näher. Sprachlosigkeit heißt Stillstand.“

In diesem Sinne: Auf in ein meinungsfreudiges, gesprächsbereites neues Jahr 2019!

Confusio – Die Verwirrung

Würden Sie mit einem Tisch reden? – Erfahrungsberichte prominenter Fremdsprachenlerner

landeskunde

Natürlich würden die meisten Leser diese Frage verneinen. So absurd wie sie klingt, so aktuell ist sie immer noch für den Fremdsprachenunterricht. Angeregt durch die Lektüre von Michael Köhlmeiers Roman „Zwei Herren am Strand“ (Carl Hanser Verlag, 2014) bin ich auf diese (Tisch-)Frage gestoßen. Im Roman gibt der Autor (sicherlich mit schriftstellerischer Freiheit) ein Erlebnis des jungen Winston Churchill wieder.

Permission (Reusing this file)  Public Domain Winston Churchill C. Taken from „Life and Time of Winston Churchill“ Odhams Press Public Domain

Dieser sollte im Lateinunterricht die Deklination von „mensa – der Tisch“ auswendig lernen und sich Anwendungen [immerhin] ausdenken. Am Vokativ „O Tisch! scheiterte der junge Winston, worauf der Lehrer (in Köhlmeiers Buch der Direktor) ihm erklärte: „Du benützt den Vokativ in einem Gespräch mit dem Tisch. Wenn du mit dem Tisch sprichst oder ihn anrufst, zum Beispiel: o Tisch, bleib stehen! Dann musst du den Vokativ verwenden.“ (Aus: Michael Köhlmeier, Zwei Herren am Strand. Roman…

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