Der Wanderfalke in der Straßenbahn

<a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/"><img alt="Creative Commons License" style="border-width:0" src= /></a><br />This work is licensed under a <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/">Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Unported License</a>.

Wanderfalke in der Straßenbahn Linie 2 (Foto: XING)

Öffentlich unterwegs zu sein ist das größere Abenteuer. Schnappschuss in der Straßenbahn Linie Nr. 2 – ein Falke auf der Faust eines Mitreisenden. Ein Gerfalke? Wahrscheinlich nicht.  Als Vogel, der in den Tundren Sibiriens, in Grönland und Alaska heimisch ist, dürfte es dem Gerfalken in den ungarischen Sommern zu heiß sein.  Auf Fachsimpeleien mit dem Eigner kann ich mich freilich nicht einlassen, dazu reicht mein Ungarisch nicht. Und „Wanderfalke“ passt auch besser zu „Wanderjahren“ im Titel dieses Blogs… Also ein Wanderfalke, auch dies ein Beizvogel.

Der Vogel trägt keine Haube. Aufmerksam scheint er die draußen vorbei fliegende Stadtlandschaft zu registrieren. Welcher Bilderstrom! „Entschuldigen Sie, darf ich ein Foto machen?“ Den Falken darf ich fotografieren, den Jäger nicht. Sehr reserviert, der Mann: entschlossene Miene, die Mundwinkel zeigen nach unten. Statuenhaft. Wie die markante Gestalt zu Füßen des Königs Matthias, links unten im Ensemble des Jagdbrunnens, zu finden im Burgpalast von Buda.

Mátyás kút

Sie soll  Galeotto Marzio (1427-1497) darstellen, den italienischen Chronisten des ungarischen Königs Matthias Corvinus (Hunyady Mátyás) , Humanist, Arzt und Astronom, der in Padua und Bologna sowie an der von Matthias gegründeten Universität Pressburg lehrte.  Man muss ihn sich als lebensfrohen und schwergewichtigen Menschen vorstellen. Vom Bildhauer wahrscheinlich sehr ins Asketische idealisiert, wirkt die Skulptur in ihrer Kühle und Strenge wie das Vorbild meines Gegenübers in der Straßenbahn. Oder besser: Bei diesem hier ist es eher Verschlossenheit als Strenge, obwohl die Beine – anders als bei der Galeotto-Skulptur – auseinander gestellt sind. Und hinter der kühlen Fassade ist der Eifer zu spüren, mit dem der Mann das Vorbild kopiert. Er wirkt wie gefrorenes Feuer. In den Augen lese ich: „Wir eine Kolonie? Niemals. Abhängig weder von Moskau noch von Brüssel. “ Angesichts von soviel Heroismus muss ich meinen Mut nun ordentlich zu einer Frage zusammenkratzen: „Sólyom ez a madár?“ – „Nem, héja.“ Also kein Falke, sondern ein Habicht.

4 Kommentare zu “Der Wanderfalke in der Straßenbahn

  1. Hallo!

    Bin gerade über diesen ‚Bericht‘ gestolpert und wollte nur sagen, dass der ‚Wanderfalke‘ auf dem Bild in der Straßenbahn nie ein Wanderfalke sein kann, da ein Falke IMMER dunkle Augen besitzt und zudem noch einen Falkenzahn am Schnabel hat 😉 beides ist bei diesem Vogel auf dem Bild nicht der Fall und jeder der nur annähernd was mit der Falknerei am Hut hat, erkennt auf den ersten Blick einen HABICHT auf diesem Bild 😉

    Viele Grüße
    Flex Amann

  2. Budapest, Athen und andere(s) Kapital(e)

    Für Länder, die sich in finanziellen Schwierigkeiten befinden, gibt es eine einfache Erklärung : sie haben in der Vergangenheit so viele Schulden angehäuft, dass sie diese mit den aktuellen Leistungen ihrer Volkswirtschaften nicht zuverlässig zurückzahlen können.Dafür gibt es zwei Gründe.Die verantwortlichen Politiker haben sich übernommen und Banken gefunden, die in der Annahme von ertragreichen Profiten immer wieder neue Kredite gewährt haben.Das Dilemma stellt sich nun als realistische Bedrohung dar!
    Die alte Weisheit : wenn keine Gewinne mehr gemacht werden können, geht man davon aus, dass die Verluste vergesellschaftet werden. Wie nicht anders zu erwarten, sieht das natürlich nicht jede Gemeinschaft und nicht jedes Individuum so ein. Besonders kleinere Länder fühlen sich in ihrem Nationalstolz verletzt. Historische Erfahrungen, die man durchaus nachvollziehen kann, werden angeführt. Das schweisst die Nation zusammen. Die Suche nach dem Feind beginnt. Selbstverständlich gibt es auch Länder, die wirtschaftlich erfolgreicher sind und deshalb gern mit dem erhobenen Zeigefinger bei anderen Ländern mitsprechen möchten. Das potenziert bei den Betroffenen die Empfindlichkeiten. Der Zorn auf die Verantwortlichen wächst und entlädt sich häufig in unkontrollierbaren Reaktionen. Der Ruf nach solidarischer Unterstützung wird laut.

    Wie soll die internationale Gemeinschaft reagieren? Dazu kommen mir drei Gedanken.

    1. Finanzielle Disziplin ist nötig. Mittel- und langfristig darf niemand mehr Geld ausgeben, als erwirtschaftet wird.

    2. Endlich müssen Banken international wirksam kontrolliert werden. Es ist mir unverständlich, dass das weltweite Volumen der Investmentbuchungen ein Vielfaches von dem der Umsätze in der Realwirtschaft ausmacht. Dabei wird nur dort Geld „erwirtschaftet“. Schluss mit den Luftbuchungen im Kasino!

    3. Wir brauchen „mehr Europa“. Wenn wir wirklich eine europäische Einheit werden wollen, müssen wir zwangsläufig besonders in den Bereichen der Wirtschaft, der Finanzen und des Sozialwesens zu einheitlichen Regelungen kommen, die glaubhaft demokratisch legitimiert und kontrolliert werden müssen.

    Kurzfristig brauchen wir Solidarität. Die Exportüberschüsse Deutschlands sind die Schulden vieler anderer Länder! Wer kann mir erkiären,warum Griechenland zum Beispiel so viele U-Boote bei deutschen Werften gekauft hat? Zu den wesentlichen Errungenschaften unserer europäischen Kultur zähle ich auch die Mitverantwortung für Schwächere. Bitte nicht nur weiter reden, konsequent, nachhaltig und glaubwürdig handeln! Ehrlichkeit, auch wenn sie unbequem ist, überzeugt eigentlich immer. Alle, die für das Dilemma verantwortlich sind, müssen zur Rechenschaft gezogen werden.

  3. Lieber James Brown,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Drei kurze Erwiderungen: Erstens stimme ich zu – Schutz der Schwachen ist europäisches Erbe. Zweitens frage ich mich, ob man dies vom Individuum auf Staaten übertragen kann – zumal es ja auch in „schwachen“ Staaten politische Lenker gibt, die nicht nur unverantwortlich gerechnet, sondern den Geldsegen auch verantwortungslos verteilt haben. Doch sollte man – richtig – bei Hilfsmaßnahmen und Rettungspaketen die sozialen Auswirkungen im Blick haben. Drittens: „Schluss mit den Luftbuchungen im Kasino!“, Konzentration auf die Realwirtschaft. Ja! Aber dann hätten Länder wie Griechenland nicht in die Währungsunion aufgenommen werden dürfen.

    Die „Tagesthemen“ gestern – in der Halbzeit des Relegationsspiels zwischen Hertha BSC Berlin und Fortuna Düsseldorf – brachten zwei Berichte: Die Kanzlerin erklärt, ihren harten Kurs auch nach den Wahlen in Griechenland und Frankreich beibehalten zu wollen: Wachstum ja, ja, ja, Wachstum auf Pump? Nein… Und gleich darauf die Bilder aus Delphi: Vor antikisierender Kulisse wird die olympische Flamme entzündet… für London.

    Das ist es: Europa ist nicht nur in den Charts der Staatsanleihen, sondern auch in den Bildarchiven aus mehr als zweieinhalb tausend Jahren zu greifen. Hören wir auf damit, Europa auf die Euro-Zone zu schrumpfen, europäisches Denken nur in Davos und München zur Kenntnis zu nehmen, europäische Werte auf die Einstufungen durch die Rating-Agenturen zu reduzieren!

    XING

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