Zusendung aus Ulanbataar

Die Kollegin aus Ulanbataar (Mongolei) sendet zu Weihnachten ein Gedicht von Galsan Tschinag:

Wie ich Deutsch lernte

Von einem Ohr, das achtzehn Winter verhärtet haben,
wollen sich die wildfremden Bezeichnungen nicht einfangen lassen.
Sie sind scheuer als die Wildpferde in den Mongolensteppen.
Vor allem die Substantive ähneln verteufelt den windgeilen Stuten,
die an der Spitze der Herde hin und hertänzeln.
Jede hat so etwas wie ein Fohlen bei sich: den Artikel.
Und ein Fohlen, so muss man wissen ist schlüpfrig wie ein Fisch:
Das Lasso bleibt zehnmal schwieriger an ihm hängen
als an einer eckigen und kantigen Stute.
Nicht umsonst heißt es wohl:
Fängst du ein Fohlen auch erst mit dem dritten Wurf,
so halte dich schon für einen Lassokönner.
Ich bin nie ein Lassokönner gewesen, und es sah nicht so aus,
als ob die fremde Wortherde einen aus mir machen würde.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s